100 Jahre Highway 61
Wo Amerikas Seele hörbar ist: Die "kleine Schwester" der Route 66 heißt auf ihrer Teilstrecke durch Mississippi nicht zufällig „Blues Highway“.
Nichts gegen die Route 66. Aber auch diese Traumstraße wird 100 und kann durchaus mithalten: als Highway für alle Sinne, vor allem als Roadtrip für die Ohren, auch mit viel zu sehen und zu schmecken. Der "Blues Highway 61" ist ein Roadtrip, der sich mystisch gut anhört und anfühlt, der die Seele der Südstaaten offenbart.
Die Route folgt schon sehr lange dem Mississippi nahe den Großen Seen bis nach New Orleans – seit 1925 als Highway 61, heute 2264 Kilometer weit. Auf den rund 700 Kilometern durch den Staat Mississippi kennt man ihn nicht umsonst auch als den Blues Highway.
Bob Dylans Album Highway 61 Revisited erschien im August 1965, der Name eine Erinnerung an seine Geburtsstadt Duluth in Minnesota, und vor allem eine Verbeugung vor der Musik, die ihn tief geprägt hatte. Mit seinen damals erst 39 Jahren wurde der Highway 61 schlagartig weltberühmt. Wer ihn fährt, versteht warum.
Von Memphis südwärts führt er zu den Ursprüngen amerikanischer Musik, zuerst durch das Mississippi Delta. Diese Region, weit vom Meer entfernt am Mississippi River, ist gemeint, wenn vom Delta Blues die Rede ist. Entstanden bei der harten Arbeit auf den unendlichen Baumwollfeldern, welche die schnurgerade Straße säumen. Seine Geschichte und Gegenwart erzählen die Museen und Clubs auf der Route.
Ein erstes Must-See auf dem Roadtrip ist das Gateway to the Blues Museum in Tunica. Die Ausstellung in einem grob zusammengezimmerten ehemaligen Güterbahnhof erzählt von den Vätern und Müttern des Blues, von Howlin‘ Wolf bis Charley Patton und Bessy Smith. Weiter geht es nach Clarksdale, wo jeden Abend Bluesmusik live spielt, auch in Morgan Freemans Club Ground Zero – und wo das Delta Blues Museum noch mehr Geschichten erzählt. Und wo an der Kreuzung des alten Highway 61 und des Highway 49 – „The Crossroads“ – um 1930 herum der „König des Delta Blues“ Robert Johnson dem Teufel seine Seele verkauft haben soll, um die Gitarre noch besser spielen zu können. Der Mississippi Blues Trail erklärt auf mehr als 200 blauen Schildern, den „Markers“, wichtige Orte dieser Musik und bildet sie auch online ab: als ein Wegweiser zur Bluesgeschichte in dem Bundesstaat und darüber hinaus.
In Cleveland dann das einzige GRAMMY-Museum außerhalb von Los Angeles, denn aus keinem anderen Bundesstaat kamen mehr Nominierte für den Musikpreis – und der „Birthplace of the Blues“: die Baumwollplantage Dockery Farms. Weiter südwärts geht es ins Highway 61 Blues Museum von Leland, dann – aus dem Delta heraus – in Vicksburg zum Nationalpark des Bürgerkriegs von 1861 bis 1865. Von dort weiter mitten durch Natchez, die berauschend schöne Stadt mit der größten Anzahl von Südstaatenvillen aus der Zeit vor den Schlachten. Und wie der Blues lebt überall auch die deftige Südstaatenküche, die neben Barbecue auch Köstliches wie Tamales pflegt. Fast jede Stadt hat noch mindestens ein seit Generationen familiengeführtes Restaurant.


